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Thema: Motoröl - Die Glaubensfrage?

Hallo zusammen,

ist gibt immer wieder die Frage nach dem Motoröl in unseren 11ern, wobei die Meinungen manchmal auseinandergehen.

Deshalb meine Fragen:
- Welches Motoröl benutzt ihr in euren Fahrzeugen jeweils (unlegiert, Viskosität)?
- Eure Langzeiterfahrungen?

Viele Grüße

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Re: Motoröl - Die Glaubensfrage?

Moin, meiner bekommt seit der Motorrevision 1991, 15 W 40  von der billigsten Sorte. Hat seitdem ca 80000 km gelaufen im Alltagsbetrieb . Ölwechsel erfolgen alle 10000 - 15000 km. Kompression ist wie am ersten Tag. Ich denke die alten Motoren sind was Öl betrifft sehr genügsam. Auch Haustiere würden ja ohne Leckerlies auskommen, so auch der Motor, zumal ja keine Höchstleistungen abgefordert werden.
Also, jeder wie Frau / Mann will.
Grüße und schöne Festtage aus Hamburg

3 Zuletzt bearbeitet von zudroehn (23.12.2021 15:43)

Re: Motoröl - Die Glaubensfrage?

Ich fahre in meiner 1959er AZU das Castrol Classic SAE 50 seit 20.000km.
Angeregt von diesem Foreneintrag habe ich gestern Nacht die Dose rausgesucht und festgestellt, dass das Öl unter 0 C°
nicht gefahren werden soll, da zu dickflüssig. Bin schon unter 0 C° gefahren, kann aber langfristig dumm sein...

Habe dann angefangen, mal wieder, die verschiedenen Oldtimerforen zu durchsuchen und stosse immer wieder auf die gleichen Aussagen,
wie die von Jörg Vowe, dass ein günstiges modernes Öl besser ist als alle Schmierstoffe der damaligen Zeit.

Meinen 11er Motor habe ich innerlich gereinigt und ihm erstmal ein 15W40 verpasst, dass aber nur für die ersten paar Kilometer drin bleibt,
da der Motor ca. 30 Jahre nicht gelaufen ist und ich dachte, spülen.

Ob das nun sinnvoll ist oder nicht, sei mal dahingestellt.
Wahrscheinlich bekommt er dann ein mild legiertes 15W40 von Motul, welches auch der Herr Fransen aus Belgien vertreibt...

gruss
z.

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Re: Motoröl - Die Glaubensfrage?

Jörg Vowe schrieb:

Moin, meiner bekommt seit der Motorrevision 1991, 15 W 40  von der billigsten Sorte.

Da sind Jörg und ich uns ausnahmsweise einmal einig!


Gruß

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Re: Motoröl - Die Glaubensfrage?

Hallo Isabelle

Moderne legierte Öle sind nicht nur besser sondern sogar ganz wesentlich besser als unlegierte, sog. „alte“ Öle und zwar für ALLE Motoren. Der Hype um sog. historische oder mild legierte Öle usw. ist ein oft teuer bezahltes Märchen.

ABER ! Ganz entscheidend für die Verwendung moderner Öle ist, dass dein Motor zuvor KOMPLETT und GRÜNDLICHST gereinigt und dafür zerlegt wurde, damit keine alten Ablagerungen abgelöst werden, in den Ölkreislauf gelangen und dort Verstopfungen und dadurch kapitale Schäden verursachen können.

Bei NICHT revidierten Motoren allerdings sind aus diesem Grund unlegierte Öle ein absolutes Muss, da sie alten Schlamm, Ruß und allen alten Dreck nicht lösen und dort belassen wo sie sind.

Ich verwende übrigens SILKOLENE PRO 4 SAE 15W-50 XP von Fuchs, erhältlich ab 9,02 €/Liter. Ist nicht das billigste, aber – ohne Werbung machen zu wollen – ein vollsynthetisches Spitzenerzeugniss und für den Preis sehr günstig. Zugegebenermaßen aber auch nicht unbedingt erforderlich für eine Traction, aber man gönnt sich ja sonst nichts ;-)

Gruß, Ferdi

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Re: Motoröl - Die Glaubensfrage?

Ich kann mich dem Gesagten anschließen. Spezielle "mild legierte" oder "unlegierte" Öle für Oldtimer sind zum einen überteuert und zum anderen überflüssig. Es hält sich hartnäckig die Erzählung, dass Motoren ohne Ölfilter auf diese Öle angewiesen seien, weil sich durch die Verwendung unlegierter Öle Abrieb und Schmutz besser in der Ölwanne ablagern würden. Das mag stimmen, allerdings setzen sich die Ablagerungen nicht nur dort ab, sondern auch in Ölkanälen, Kolbenringen und anderen Stellen, wo man sie nicht wünscht.

Was den Umstieg auf ein modernes Öl angeht sehe ich es etwas entspannter als Ferdi. Man sollte schon  die Ölwanne und
den Ventildeckel abnehmen, die Stößelbecher von oben rausziehen und Verunreinigungen beseitigen, wenn man die Möglichkeit dazu hat. Ansonsten kann m.E. nichts passieren, wenn man das neue Öl im Auge behält und frühzeitig wechselt. Es ist ja nicht so, das sich plötzlich ein Klumpen löst und enen Motorinfark bewirkt; die Ablagerungen werden eher von der Oberfläche angelöst und das Öl wird dadurch relativ schnell dunkel. Wenn eine dicke Schicht in der Ölwanne liegt, ist das ein sehr langwieriger Prozess, daher ist es schon gut vorher die Ölwann zu reinigen.

Zur Viskosität: 15W40 ist auf jeden Fall ok, weil es die original empfohlenen Einbereichs-Viskositäten SAE 20 (Winter) und SAE 30 (Sommer) abdeckt. @zudroehn: SAE 50 waren damals nur für Flugzeug- und Rennmotoren angesagt. Da es bei unseren Autos lange dauert bis die Kipphebel Öl abkriegen kann man auch -besonders bei nicht sommerlichen Temperaturen über ein 10Wxx oder 5Wxx nachdenken. Ich benutze zur Zeit ein halbsynthetisches 5W40 für 4 Eur/l, weil ich gerne sehr früh wechsel. Häufiges Wechseln  wenn möglich unter 1500 km ist bei unseren Motoren ohne Ölfilter fast wichtiger als die Art des Öls.

Zum Getriebeöl: Ich verwende ein vollsynthetisches 75W90 mit GL4 und GL5 Spezifikation von Castrol oder LiquiMoly z.B.. GL4 heißt, dass es für Schaltgetrieb geeignet ist, GL5 erfüllt harte Ansprüche  eines Kegelgetriebes, wie es bei Fronttrieblern im Getriebe integriert ist.

Und wo wir schon bei den Betriebsflüssigkeiten sind: G05 von Glysantin und aqua dest. als Kühlmittel.

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Re: Motoröl - Die Glaubensfrage?

danke Pepe, der 12ps AZU Motor ist ja dann zufrieden, da Rennmaschine!
ne, im Ernst, denke das war ein Fehlkauf und vorher hatte ich SAE 30, werd das 50er auch nicht mehr einfüllen...
danke!

gruss

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Re: Motoröl - Die Glaubensfrage?

Hallo Gemeinde,
Ich bin kein Ölspezialist, möchte aber doch einige Punkte zu bedenken geben.
- Die Motoren unserer Tractions und früherer Citroën haben keinen Ölfilter. "Moderne" Öle sind so zusammengesetzt, dass sie Abrieb und Schmutz mit sich nehmen, damit dieser im Filter hängen bleibt. Bei den unlegierten Ölen hingegen lagert sich dies in der Ölwanne ab und bleibt somit zum grössten Teil ausserhalb des Kreislaufes.
- Wer nun gleich danach trachtet, einen Ölfilter einzubauen, sollte sich dies gut überlegen. Die meisten - einfachen - Konstruktionen filtern das Öl im Nebenkreislauf. Dadurch geht sowohl ein Teil des Öldrucks, als auch der Fördermenge verloren respektive erreicht nicht die Lagerstellen. Da bei den wichtigsten Lagern aber die Menge zirkulierenden Öls eine grosse Rolle spielt, weil sich durch die Rotation der Teile (Kurbelwelle, Nockenwelle) dynamisch ein Ölfilm aufbaut, ist ein solcher Ölfilter kontraproduktiv. Es gibt zwar Konstruktionen, welche den Ölfilter wie bei einem modernen Motor in den Hauptkreislauf bauen, aber diese sind sehr aufwändig und dem entsprechend teuer.
- Wer in seiner Traction einen Motor hat, der noch nicht mit den Schrägpleueln des 11D-Motors ausgerüstet ist, sollte sich bewusst sein, dass die Pleuellager der geraden Pleuel aus gegossenem Weissmetall bestehen. Ich weiss nicht, wie diese auf die Additive eines modernen Super-Hyper-Turbo Öls reagieren.
- Die meisten unserer Oldtimer werden in der kalten Jahreszeit kaum oder gar nicht bewegt. Zudem stehen sie in der Regel nicht in der Kälte draussen.
Das SAE 50, das am Anfang dieses Posts erwähnt wurde, dürfte tatsächlich - und besonders in der kalten Jahreszeit - zu dick sein. Dadurch erhöht sich zwar der Öldruck, aber gleichzeitig - wegen fehlender Viskosität - dürfte sich die Fördermenge reduzieren.
- Ich verwende seit Jahren ein günstiges SAE 40, sowohl bei meinem 15/Six, als auch bei meinen Hecktrieblern. In den Büchern wird in der Regel SAE 20 für den Winter und SAE 30 für den Sommer empfohlen. Aus der Überlegung heraus, dass die Lager in den alten Motoren etwas mehr Spiel haben, betrachte ich das SAE 40 als passend. Es mag stimmen, dass ein dünneres Öl rascher zu den Kipphebeln kommt. Aber 1. gibt es ja auch den Rest-Schmierfilm - und 2. findet dünneres Öl auch einfacher den Weg an die "frische Luft".
- Mein SAE 40 beziehe ich in 50 kg Fässern von einem kleineren Hersteller zu einem günstigen Preis, der deutlich unter den Kosten für ein Super-Hyper-Turbo-Öl liegt. Und ich plädiere dafür, häufiger als die von einem Kollegen erwähnten 10'000 bis 15'000 km zu wechseln. Zudem habe ich in der Ölwanne eine Ablassschraube mit Magnet eingebaut, so dass eisenhaltiger Abrieb dort hängenbleibt.
Wie erwähnt: Ich bin kein Spezialist für Schmierstoffe...
- So oder so: Kaum jemand aus unseren Kreisen wird in der Lage sein, zu beweisen, welche Meinung richtig ist. Es bleibt also ein Glaubensfrage.
Daniel Eberli

9 Zuletzt bearbeitet von zudroehn (30.12.2021 10:34)

Re: Motoröl - Die Glaubensfrage?

Danke für deine Ausführung,
der Wechselinterval bei meiner AZU ist bei mir bei 5000km....
Sind ja auch nur 2,5 L Motoröl bei dem kleinen Motor...
Beim 11er werde ich keine 10tkm machen, eher 5-7tkm......

gruss

https://www.zudroehn.de - Nichts bewegt Sie wie ein Gnu.

10 Zuletzt bearbeitet von Pepe (31.12.2021 00:27)

Re: Motoröl - Die Glaubensfrage?

Hallo Daniel,
ich will nicht päpstlich sein und überlasse es gerne den Lesern welcher Glaubensrichtung (oder Argumentation) man anhängt.
Aber -auch auf die Gefahr, dass ich zum Papagei werde- bei der These „Kein Ölfilter=unlegiertes Öl“ muss ich widersprechen.

Diese Geschichte hält sich bedauerlicherweise sehr hartnäckig, obwohl es keinen Beleg für den Zusammenhang zwischen Ölfiltern und legierten Ölen gibt. Beide Entwicklungen haben lediglich in einem ähnlichen Zeitraum den Eingang in die breite Masse der KFZ gefunden, aber daraus lässt sich nicht ableiten, dass das eine das andere erfordert. Vielmehr wurde durchaus auch bei ölfilterlosen Motoren auch in den 50ern und 60ern ein Heavy Duty (HD)-Öl empfohlen, das sich durch eine höhere Additivierung auszeichnete (z.B. beim Ford 17M 1962, der nur optional mit Ölfilter ausgeliefert wurde).
Die Verschlammung von Motoröl, vor allen Dingen durch Ruß und Ölkohle, und die daraus folgenden Ablagerungen wurden früh als Problem erkannt, das man mit geeigneten Grundölen versuchte zu minimieren. Eine Suspendierung der Feststoffe, also das Lösen und in Schwebe halten von Feststoffen war eine erwünschte Eigenschaft von Ölen. [Chemische Technologie der Schmierstoffe, H.Zorn, 1938] Bei [Betriebsstoffe für Verbennungskraftmaschienen, Philippovich, 1949] heißt es:

„Peptisierung und Reinigungsmittel (Detergents): Zur besseren Supsendierung von Ruß, Verbrennungsprodukten und anderen festen Stoffen im Öl, so dass sie keine festen Ablagerungen oder Verstopfungen der Leitungen verursachen können, gibt man Stoffe zu, die kolloid als Peptisatoren wirken [heißt: fein verteilt in Schwebe halten] und gleichzeitig eine Reinigungswirkung gegenüber schon gebildeten Ablagerungen aufweisen.“

In dieser historischen Literatur ist an keiner Stelle erwähnt, dass Filter bei der Verwendung dieser Mittel zwingend erforderlich wären.Gelöste Verkokungen und Rußpartikel, die in Schwebe gehalten werden, sind aufgrund ihrer geringen Größe nicht das Problem für die Schmierstellen. Zu Problem werden sie erst, wenn sie zusammenklumpen und Ablagerungen (Gängigkeit der Kolbenringe) und Verstopfungen verursachen.

Grober und damit gefährlicher Eisenabrieb sinkt in jedem Öl zu Boden und kann bei entsprechenden Fahrbetrieb aufgewirbelt und angesaugt werden. Ein Ölfilter soll vor dieser Gefahr schützen und die Ölwechselinterlvalle verlängern, weil die Aufnahmefähigkeit eines Öls für schwebefähige Partikel natürlich begrenzt ist.

Für vermutete Unverträglichkeiten von modernen Ölen mit Weißmetalllagern kenne ich keinen belegten Zusammenhang. Nur bei GL5-Ölen für Kegelgetribe (moderne Bezeichnung „Hypoid“-Öl, nicht zu verwechseln mit dem was man in den 50er Hypoid-Öl genannt hat) muss man bei Buntmetallen aufpassen, wie sie in Schaltgetrieben vorkommen.

Keinesfalls sollte man arm legierte Kompressoröle verwenden, diese weisen weder die nötige Temperaturbeständigkeit auf, noch kompensieren sie die im Verbrennungsmotor anfallenden Säuren aus den Verbrennungsabgasen, so dass das Korrosionsrisiko erhöht ist (was auch die Weißmetalllager angreifen kann).

Noch ein wichtiger Beitrag zu den Ölwechselintervallen: Das Handbuch empfiehlt 2.500 km, ich kenne eine Untersuchung, bei der aufgezeigt wird, dass die Partikelfracht im einem Öl ohne Ölfilter nach 1.500 km ähnlich hoch ist wie bei einem Öl mit Ölfilter nach 10.000 km (auch Ölfilter lassen feine Partikel passieren). Also sollten eher 1.500 km die richtige Größenordnung sein und keinesfalls 5.000 km oder mehr.

Wie gesagt, Ölwechsel ist fast wichtiger als das verwendete Öl, daher sehe ich ein kostengünstiges teilsynthetisiertes* Mehrbereichsöl (4 EUR/l) z.B. 5W40 geeignet an. Ein mineralisches Baumarkt-15W40 für 3EUR/l ist auch abolut in Ordnung. Ein vollsythetisches Öl ohne mineralisches Grundöl scheidet wegen des hohen Preises bei den kurzen Wechselintervallen aus (ab 6 EUR/l).

Sorry, dass es schon wieder so ein Vortrag geworden ist. Ich versuche es halt zu erklären.

*die sog. HC (Hydorocrack)-Öle sind aufbereitete mineralische Öle und werden im Handel als teilsynthetisch, synthetisiert oder HC-Öle bezeichnet. Sie haben im Grundöl ohne Additive bereits eine geringere Neigung zum Viskositätsverlust bei steigender Temperatur und benötigen daher eine geringere Additivierung mit VI-Verbesserern. Auch haben Sie eine bessere Temperaturstabilität bzgl. Oxydation. Mineralöle müssen recht unfangreich additiviert werden um die Anforderungen zu erfüllen, aber die Additive verursachen mehr und härtere Ölkohle.

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Re: Motoröl - Die Glaubensfrage?

So sehen Kolben nach 20000 km mit legierten Öl aus. Kaum öllack auf dem kolbenhemd, kolbenringe gängig und sauber.

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Re: Motoröl - Die Glaubensfrage?

So sehen Kolben nach 20000 km mit legierten Öl aus. Kaum öllack auf dem kolbenhemd, kolbenringe gängig und sauber.

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Re: Motoröl - Die Glaubensfrage?

Pepe schrieb:

So sehen Kolben nach 20000 km mit legierten Öl aus. Kaum öllack auf dem kolbenhemd, kolbenringe gängig und sauber.

Hallo,

sollte bei dieser Message ein Foto angehängt sein?

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Re: Motoröl - Die Glaubensfrage?

Ja

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Re: Motoröl - Die Glaubensfrage?

Die Ölkohle auf dem Feuersteg resultiert aus undichten Ventilschäften und lässt sich auch mit den besten Ölen nicht verhindern. Die kommen dort nämlich nur in geringsten Mengen hin.
Der überholte ZK wartet auf den Einbau. :-)