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Thema: Unterbrecher/Verteiler S.E.V. Frischzellenkur

Shalom Gemeinde,

Eine Baugruppe, die zwar ungeheuer wichtig ist, aber oft nicht die geforderte Aufmerksamkeit bekommt: der kleine Zinkdruckgußkerl mit den dicken Knisterkabeln dran...
Auch ich habe mich 32 Jahre lang davor gedrückt, das Teil mal zu zerlegen und nach dem Rechten zu sehen- "Wozu das denn, die Kiste läuft doch prima..."
Es scheint ja auch so zu sein, daß der Motor relativ entspannt weiterarbeitet, auch wenn das kleine Gehirn an Demenz erkrankt ist. Dabei haben wir ein kleines Wunderwerk vor uns: Es beschafft sich ständig 3 Informationen (KW-Winkel, Drehzahl und Last) und bastelt daraus bis zu 8000 Zündfunken pro Minute und verteilt die im genau richtigen Moment an die 4 Kerzen. Bei 4000 rpm hat es dafür mal gerade 7,5 Millisekunden Zeit!
Ja, und genau da gibt 's dann auch irgendwann Schwierigkeiten: Das Alter bringt Arthrose in den Gelenkchen, der Schlauch zum Vergaser zerbröselt, Dreck und Kondenswasser machen den Rest.
In meinem Falle ergab sich ein nerviges "Konstantfahrruckeln", und jetzt habe ich mir den erforderlichen Mut angeheult und das Ding auseinandergekloppt...

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Re: Unterbrecher/Verteiler S.E.V. Frischzellenkur

Problem Nr, 1 ist hier gelb markiert, und das ist nun ganz leicht zu erkennen:
Die kleine Kuppelstange, die Unterdruckmembran und Unterbrechergrundplatte verbindet, hat mächtig viel Spiel an dieser Stelle. Mit diesem Stängchen wird die Grundplatte sozusagen verankert, und wenn da Luft ist, wird der Zzp ungenau.

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3 Zuletzt bearbeitet von vilebrequin (24.04.2023 23:03)

Re: Unterbrecher/Verteiler S.E.V. Frischzellenkur

Aber da gibt es noch mehr, im Untergeschoß sozusagen, vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen und dennoch von großer Bedeutung: die Fliehkraftverstellung! Und dort findet sich dann Problem Nr.2. Die beiden kleinen Achsen der Fliehgewichte sind völlig ausgejackelt, alles furztrocken und rostig. Die quietschen schon beim Drehen! Wenn da auch noch Luft ist- wo soll denn da noch ein präziser Zzp herkommen? Es zündet mal zu früh, mal zu spät, und gelegentlich auch mal passend- ein unbefriedigender Zustand!

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Re: Unterbrecher/Verteiler S.E.V. Frischzellenkur

Gemessen sind da nur 0,3 mm Luft, aber dadurch kann der Nockenpinöppel mal ganz locker 5 Grad hin-und herdrehen.

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Re: Unterbrecher/Verteiler S.E.V. Frischzellenkur

Was kann man da tun...? "123-Ignition einbauen, weg mit dem alten Mist"...

Ja, könnte man. Aber das geht bestimmt auch in Heimarbeit zu reparieren, im Grenzbereich zwischen Oldieschrauben und Modellbau.
Konfuzius lehrt: "Ein Leben ohne Drehbank ist möglich, aber sinnlos", also: den Riemen auf die Orgel geschmissen und losgebosselt... :o)
Die alten, eingenieteten Achszapfen waren verschlissen und sind jetzt durch 2 Buchsen ersetzt und mit Schauben M5 befestigt. Zur Sicherheit noch ein Tropfen Loctite hochfest auf die Gewinde.
Das Aufbohren der Fliehgewichte von 5,irgendwas auf 5,5 war ein bißchen tricky, denn die Gewichte bestehen aus gehärtetem Stahl. 2 Bohrer haben sich selbstlos geopfert...

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Re: Unterbrecher/Verteiler S.E.V. Frischzellenkur

Natürlich schön saubergemacht und mit gutem Fett wieder zusammengebaut.
So, Problem Nr.1: Die Kuppelstange neu anlenken. Auf dem Foto seht Ihr so einen ganz winzigen Bolzen, schon zu 90% durchgeschubbert. An dem Winzling hängt der ganze Laden: Wenn der fertig ist, tanzt die Unterbrechergrundplatte Charleston.
Den Kopf der Messingschraube (die ist in der Membran eingeschraubt) habe ich im Durchmesser vergrößert, damit wurde Platz für einen "langen" 2mm-Bolzen. Die Kuppelstange tut nach wie vor ihren Dienst, nur die kleine Sicherungsfeder mußte neu. Spiel ist jetzt praktisch Null.

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Re: Unterbrecher/Verteiler S.E.V. Frischzellenkur

Wenn alles wieder an seinem Platz ist, stellt sich die Frage, wie man das Untergeschoß künftig vor solch Ungemach behüten kann...
Im Bild ist ein etwa 9mm großes Loch in der Grundplatte erkennbar (lila Kreis). Da kommt man mit 'nem dünnen Sprühröhrchen ganz gut an die kleinen Teile 'ran. Kettenspray vom Motorrad könnte gut funktionieren. Bloß kein WD Pfirsich, das besteht fast nur aus Petroleum und ist nach einer Woche wieder verdunstet...

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8 Zuletzt bearbeitet von vilebrequin (27.04.2023 02:54)

Re: Unterbrecher/Verteiler S.E.V. Frischzellenkur

Gleich habt Ihr 's überstanden- zum Schluß noch ein bewährter Trick gegen Ölinkontinenz:

Hier kann man recht einfach 'ne 3mm-Nut  für einen passenden O-Ring einstechen.

Das dichtet in der Buchse (die außen ebenfalls ihren O-Ring bekommen hat) super ab und die Ölsauerei hat- zumindest hier- ein Ende. Seit 5 Jahren bewährt!

So, nu is aber gut. Ich bin zur Zeit auf der Arbeit und habe Zeit und Werkzeug für solchen Bastelkram zu Verfügung. In einer Woche wird das Teil wieder eingebaut. Mann, bin ich gespannt, was das so bewirkt! Bericht folgt umgehend!

Salut  Rolf

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9 Zuletzt bearbeitet von Werner (26.04.2023 22:18)

Re: Unterbrecher/Verteiler S.E.V. Frischzellenkur

Très bien fait Maître !

Ich würde zur Passivierung der Oberflächen einen Hauch mineralisches "Bosch-Fett" nehmen, wie es noch in den 70-ern zur Nockenschmierung verwendet wurde.

Das neigt zwar wenig zum Ausdünsten, dennoch ist es sinnvoll, die U-Kontaktflächen alle 2500 mit Bremsenreiniger zu  reinigen.

Grüße vom Aachener Rand,
Werner

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Re: Unterbrecher/Verteiler S.E.V. Frischzellenkur

Salut Rolf,
Sehr schön!
Hast Du das Zinkgussteil wieder eingesetzt?
Wenn ja - ist das "Konstantfahrruckeln" verschwunden und geht es deinen Nerven besser?
salutations, François